Körpermalerei: Lebensfreude und Verwandlung

Körpermalerei: Lebensfreude und Verwandlung – Interview mit der Körpermal-Künstlerin Anke Rammé-Firlefanz

Anke Ramme Firlefanz

Körpermalerei verwandelt

Seit vielen Jahren kenne ich schon die beeindruckende Arbeit von Anke Rammé-Firlefanz.

Sie ist Körpermal-Künsterlin und verwandelt ihre Haut und die von anderen Frauen in ein kostbares Kleid voller Wunder.

Wie sie das macht, hat sie mir in einem Interview erzählt.

Anke Rammé-Firlefanz:

 

Ich führe Frauen durch spielerische Körpermalerei

zu einer sinnlichen Körperwahrnehmung,

freudiger Lebendigkeit und

Entfaltung ihrer Weiblichkeit. 

Sie können in einem geschützten Raum

symbolisch alte Schichten ablegen, sich „häuten“

und sich über ihre bemalte Haut

neu erleben.

Anke-Rammé-Firlefanz

Deine Kursbeschreibungen klingen nach sinnlichen, genußvollen Stunden voller Körperfreude. Du nennst sie Subjektkunst, was ist damit gemeint?

Subjektkunst heißt, dass nicht ich die Farbe bestimme, sondern die Teilnehmerin wählt passend zu ihrer Stimmung und Gefühl „ihre“ Farbbemalung für ihren eigenen Körper – und malt auch selbst, während ich diese Reise, ebenfalls bemalt, begleite. 

Jede Frau malt also intuitiv, das heißt ohne Plan und Ziel, sie hört auf ihre innere Stimme und ihr Gefühl. Das fühlt sich an, wie in Trance gehen. Die Bemalung geschieht von innen nach außen, also vom Erleben und Spüren hin zum Malen. 

Man erlebt dadurch ein starkes Gefühl des Verbundenseins. Körper und Seele sind im Fluss miteinander.

Man kommt ganz im Hier und Jetzt an. Viele spüren auch Lebensfreude und Lebenslust aufsteigen.

Manchmal Trauer, aber das ist dann auch okay. 

Viele Frauen haben Angst vor ihrem nackten Körper, vor den Veränderungen, die mit dem Älterwerden eigentlich ganz natürlich sind. Sie fühlen sich begrenzt durch moralische Normen und in ihren Köpfen sind viele Bewertungen.

Was ist richtig? Was ist schön? Muss ich perfekt sein? Ist etwas an mir unmöglich?

Wenn eine Frau das Thema der Bemalung selbst bestimmt, den Rhythmus und das Spiel, das dabei entsteht, erlebt sie ihre eigene Lebensart und kann ihren Körper vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben bejahen.

Das ist ein überwältigendes Erlebnis.

Was ist dein beruflicher Hintergrund?

Ich bin bildende Künstlerin seit 1986.

Seit 1994 biete ich Frauenkurse und Einzelbegleitungen mit Körpermalerei an.

Außerdem finden seit 1998 regelmäßig in Deutschland, Österreich und Südtirol, Italien.

Kurse, Fortbildungen und Fachseminare in Bildungshäusern statt.

2001 habe ich das Buch „Körpermalerei & Ritual“ veröffentlicht.

Positive Körperwahrnehmung, wie entsteht sie durch Körperbemalung?

Für mich ist Körpermalerei eine Berührungskunst.

Sie wirkt zusammen mit der Farbe auf den Körper und die Seele.

Die Frauen können sich bewusster, liebevoller wahrnehmen.

Der Körper wird eine Heimat, wenn man sanft mit dem Pinsel Farbe aufträgt.

Das wirkt wie ein Streicheln, ist auch lustvoll, einfach angenehm.

In der Gruppe entsteht ein inniges Miteinander. Wir wertschätzen unsere unterschiedlichen weiblichen Eigenarten,die durch die Farbe sichtbar und spürbar werden.

Es ist schön, diese Vielfalt und Vielfarbigkeit von FRAU-Sein am eigenen Leib zu erleben; im Farbenkleid unsere individuellen Einzigartigkeiten zu entdecken und im regenbogenfarbigem Miteinander zu zelebrieren.

Wir gehen auch hinaus in die Natur und spüren die Verbindung zu Mutter Erde, Wald, Wiesen, Fluss, dem See.

Die Verbindung mit der Natur ist eine Ressource für den Körper.

Wie kann ich die eigene Schönheit durch Bemalungen finden?

Beim Bemalen erleben die Frauen ihren Körper sinnlich auf eine Weise, die vielen unbekannt ist.

Es geht nicht ums Schönsein mit einem idealen Vorbild, sondern ums Erleben.

Die kleinste Stelle wird berührt und ist einfach schön, weil sie da ist.

Das ist, als würde man ein Licht anschalten und alles an sich freundlich beleuchten.

Das ist Selbstliebe.

Sich ohne Bewertung erkunden und die Einzigartigkeit entdecken.

Dadurch fühlt man sich schön.     

Was verändert sich im Körpergefühl, wenn ich meine Haut bemale?

Das stundenlange Bestreicheln mit Farbe ist eine achtsame Art, jede Stelle am Körper zu berühren.

Du spürst sehr genau, welche Farbe (Farb-Energie) grade passt oder auch nicht. 

Auch Körpererinnerungen können auftauchen- und haben Raum innerhalb des Kurses.

Wir knüpfen an weibliche Körperweisheiten an und spüren uns selbst intensiver, durch die Farbe positiver und in Verbindung untereinander.

Bewege ich mich anders mit Farbe auf der Haut?

Ja, je nach Farbe und Farbton tauchen unterschiedliche Energien auf. Du merkst plötzlich, dass du dich bewegen willst, vielleicht sogar tanzen, oder du spürst Hunger, willst vielleicht ausruhen oder schlafen.

Die Bemalung weckt deine intuitive Seite und du spürst deine Gefühle und Bedürfnisse deutlicher.

Ich habe erlebt, dass lebhafte Frauen mit Blau ganz ruhig wurden. Eine Frau mit Beinproblemen konnte plötzlich aus Freude rennen; das war die rote Farbe, die sie alles vergessen lies. Introvertierte Frauen hilft oft Orange mehr aus sich rauszukommen, ohne, dass sie sich anstrengen müssten. Besonders berührt hat mich, dass eine Parkinsonpatientin während der Bemalung über Stunden keinen Krampfanfall bekam.

Es ist wie ein Wunder, was da alles passiert.

Und die Farbe bleibt über Nacht dran und ihr erzählt euch am Morgen eure Träume?

Ja, die Farbe bleibt über Nacht dran.

Bemalt zu sein löst viele Gefühle aus. Erinnerungen tauchen auf, manchmal Visionen. Die Frauen spüren ihre Bedürfnisse deutlicher und sie erkennen, welche Themen gerade für sie wichtig sind. 

Sie genießen es auch, dass sie ihre Eigenschaften deutlicher spüren und zum Ausdruck bringen können.

Während der Körpermalreise sind die Frauen miteinander im Kontakt.

Sie reden über ihre Erlebnisse und Eindrücke, geben sich gegenseitig Rückmeldungen und das vertieft die Erfahrung noch.

Frauen vergleichen sich ja oft und erleben sich als weniger schön, wenn andere dabei sind. Passiert das in deinen Kursen auch? Wie gehst du damit um?

Mehrere Tage nackt und bemalt im Atelier zu sein  ist sehr beeindruckend und intensiv für die Teilnehmerinnen.

Sie werden frei davon, sich darstellen zu müssen, stattdessen erleben sie sich als „ich bin“ oder „ich bin, so wie ich bin“. 

Durch die Körperfarben nehmen wir uns anders wahr. Bewertungen fallen weg. Wir werden einzigartig, einmalig.

Die Natur hilft dabei, der  Kontakt mit den anderen bunten Frauen auch.

Das geht auch, wenn man alleine mit mir arbeiten möchte, sehr gut. Frauengruppen können sich auch gemeinsam anmelden.

Nacktheit, besonders die von Frauen, wird von den Medien gerne benutzt und verursacht bei vielen Frauen ein Gefühl von "Ich bin nicht schön genug". Wie geht es den Frauen in deinen Kursen mit ihrer Nacktheit. Davor, während, danach?

Das ändert sich aber schnell. Während der Körpermal-Reise werden die Frauen fröhlich, tauchen ein in die eigene Körperwahrnehmung, staunen und genießen sinnlich.

Anke Ramme-Firlefanz

Die Scham sich vor anderen zu zeigen, muss bestimmt auch überwunden werden. Wie gelingt das?

Durch Tanzen und Singen verbinden wir uns miteinander. Ich leite das sehr behutsam an, sodass alle gut mitkommen und eine wertschätzende Atmosphäre entsteht.

Wir beginnen mit Gesichtsmalerei. So können die Frauen sich kennenlernen.

Da ich selbst nackt und bemalt bin, biete ich den Frauen ein Vorbild, wie sie lebendig und frei mit ihrem Körper sein können. Das ermutigt sie.

Und natürlich kann jede Frau Kleidungsstücke anbehalten, wie sie es möchte. Das ist zum Beispiel auch ein Thema, wenn eine Frau blutet. Bei mir gibt es einen Raum, die Periode angenehm zu erleben.

Die Scham verschwindet und was auftaucht ist ein kreativer Zwischenraum, wo Bewertungen wegfallen, nicht mehr einschränkend wirken.

Wir erleben einen positiven Umgang mit uns und unserem Körper.

Wenn ich zuhause mal selber eine Körperbemalung ausprobieren möchte, auf was muss ich achten?

Sorge dafür, dass es warm ist, du genug zu essen und trinken hast und du nicht gestört wirst.

Du brauchst einige Stunden Zeit. Außerdem einen Spiegel und am besten spezielle Körpermalfarben.

Schöne, ruhige Musik hilft beim intuitiven Malen. Du kannst ein altes Laken oder Bettbezug unter dich legen, falls es „tropft“. Die Farben sind gut auswaschbar.

In meinem Buch erhältst du eine gute Anleitung mit vielen Beispielen.

Wie bist du dahin gekommen, Körpermalkurse für Frauen anzubieten?

Mit 14 Jahren habe ich mit meiner Freundin Gesichtsmalerei entdeckt und bei mir selbst begonnen, die Wirkung von Farbe, Haut & Körper zu erkunden.

Mit 19 Jahren begann ich erste Körpermalereien für Performances zu choreografieren und zu tanzen.

Meine Schwangerschaften und meine eigenen Körperwahrnehmungen sensibilisierten mich die nächsten Jahre noch intensiver für Frauenthemen.

So sammele ich seit vielen Jahren Techniken, Hintergrundwissen und Erfahrungen; schrieb ein Buch darüber und kann heute nach 32 Jahren meine Körpermalerei-Erfahrung, FrauenWissen & FrauenWeisheit in meine schöpferischen Kurse einfließen lassen.  

Was liebst du an deiner Arbeit am meisten?

Ich liebe es, wenn wir Frauen uns mit Lebensfreude authentisch begegnen und verbinden.

In diesen vielfältigen und vielfarbigen Begegnungen mit Anderen empfinde ich Zufriedenheit und Glück.

Ich spüre mich in dieser Vielfalt mit meinem weiblichen Ausdruck zuhause und empfinde tiefen Frieden in der Freiheit schöpferisch leben zu dürfen.

Was ist deine Vision?

Wir sind alle verscheiden und jede Frau ist auf ihre Art schön – wenn du das spürst, lebst du bewusster, schöpferisch und voller Lebensfreude mit dir und gemeinsam mit anderen und mit Mutter Erde!

Anke Rammé Firlefanz 

Geb.1963  Künstlerin, Fachreferentin für kreative Methoden, Performance, Körper-und Gesichtsmalerei seit 1986, Natur und Rituale, Kinder-Events und Bastel-Aktions-Tische, Koboldin, Sonnenkönigin, Feuer-und Wind-Frau, Lebenslustigerin, Farbenreisende, Mutter von zwei erwachsenen Kindern (1988 und 1992)

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Ein bunter Tanz

Und so geht es natürlich auch: In den Wald springen, sich mit Farbe bewerfen und ein Lied zur Heilung von Mutter Erde (Patchamama) singen! 

Oder zuhause tanzen!

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