Sehnsucht nach Ruhe – Eine Freundin zieht zum Arbeiten an den Waldrand

Sehnsucht nach Ruhe –Eine Freundin zieht zum Arbeiten an den Waldrand

Der Traum von einer eigenen Hütte

"Lasst mich doch alle in Ruhe!"
"Ich will weg!"
"Am liebsten würde ich in einer Hütte im Wald wohnen!"
"Könnte ich nur auf eine einsame Insel, nur Ruhe, das brauche ich jetzt!"

Kennst du solche Momente?

Alles ist dir zu viel und du willst nur weg?

Ich schätze, dass sehr viele Frauen sich immer wieder mal nach einem Ort sehnen, an dem sie ganz allein sind, keiner etwas von ihnen will und sie endlich zur Ruhe kommen können.

Im Grunde will man ja nur bei sich ankommen. Aber das ist auch eine zwiespältige Sache, seltsamerweise. Oft schaffen wir es ja nicht einmal, das Handy ein paar Stunden auszuschalten.

Umso mehr beeindruckt mich, dass ich eine Freundin habe, die es einfacht getan hat.

Voller Begeisterung verfolge ich seit einiger Zeit mit, dass sie sich diesen Traum erfüllt hat: Sie ist zum Arbeiten in eine Hütte an den Waldrand gezogen.

Wie sie das gemacht hat, was sie erlebt hat und vor allem, wie es sich auf ihr Körpergefühl auswirkt, hat sie mir in einem Interview erzählt.

Fragen an die Schriftstellerin Heike Fröhling

Wie würdest du in einem Satz beschreiben, wie das Arbeiten in der Hütte auf dein Körpergefühl gewirkt hat?

Heike Fröhling: Näher dran (an den Romanfiguren, an mir) und weiter weg (vom „Markt“, vom Denken an Verkaufszahlen und „Erfolg“).

Der Körper ist nicht mehr die Baustelle, sondern derjenige, der gestaltet.

Du hast deine Hütte selbst ausgebaut, wie hast du das gemacht? Wie war es, so viel Körpereinsatz zu bringen?

Heike Fröhling: Das „Wie“ ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil das Projekt an sich riesig war. Am Anfang stand nur die grobe Idee, eine Holzhütte in Rohform war vorhanden, die seit rund 10 Jahren als Geräteschuppen genutzt wurde. Alles im Vorhinein zu planen, ist kaum möglich, weil ich ja auch von Baumaterialien und alledem keine Ahnung hatte, so habe ich mich Schritt für Schritt vorgetastet. Erst die Hütte ausräumen. Dann die Bodenisolierung. Heizung. Sanitäre Anlage. Strom. Einrichtung. Die Dachisolierung, eins kam nach dem anderen, es war in erster Linie Versuch und Irrtum.
Körpereinsatz ist es wirklich. An vielen Tagen hatte ich Muskelkater an Stellen, wo ich nicht einmal wusste, dass dort Muskeln existieren. In der Folge war ich manchmal zu schlapp, um im Sitzen zu schreiben, habe mich dafür hingelegt.

Stört die körperliche Arbeit nicht deine Schaffenskraft als Schriftstellerin?

Heike Fröhling: Im Gegenteil, das eine beflügelt das andere. Beim Bauen entsteht jeden Tag etwas, der Fortschritt ist sehr sichtbar, während ein Romanfortschritt sehr virtuell ist, nur das Schreibprogramm zeigt an, ob man jetzt 102 oder 105 Seiten geschrieben hat. Aber bei der Hütte ist es ein Riesenunterschied, ob man zum Beispiel die Autobatterie für den Strom immer zum Laden transportieren muss, oder ob man es geschafft hat, die Solaranlage zu installieren und in Gang zu bringen. Ob mit oder ohne Dachisolierung, das ist ein Temperaturunterschied von zehn Grad im Innern der Hütte, entweder arbeitet man bei 25 Grad oder bei 15 Grad.

Dieses Gefühl und Erleben „Es geht weiter“ ist ungemein beflügelnd, auch in anderen Lebensbereichen, auch beim Schreiben.

Frauen brauchen dringend eigene Räume

1929 hat die britische Schriftstellerin Virginia Woolf  „Ein Zimmer für sich allein“ geschrieben. Darin analysiert sie, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Frauen Kunstwerke erschaffen können.
Frauen, so stelle sie heraus, fehlt es neben eigenem Geld vor allem an einem eigenen Raum für ihre Denk- und Schaffensprozesse.

„Wenn eine Frau schrieb, dann musste sie im gemeinsamen Wohnraum schreiben.“ Dort aber „haben Frauen niemals eine halbe Stunde (…), die ihnen ganz alleine gehört“, vielmehr seien sie „allen Arten zufälliger Unterbrechung ausgesetzt“. Virginia Woolf wusste, dass nur „ein Schloss in der Tür die Möglichkeit bedeutet, selbstständig nachzudenken“.

Die Entscheidung: Jetzt tue ich es!

Was ist dein beruflicher Hintergrund?

Heike Fröhling: Meine Ausbildung geht überhaupt nicht in die Richtung, ich habe Musikwissenschaft, Musik und Germanistik studiert, die meiste Zeit meines Lebens geschrieben und Geige gespielt. Dann zeitweise zu einer Art Bauarbeiterin zu werden, das ist im Grunde verrückt. Allerdings hatte ich in der Oberstufe in der Schule einen sehr guten Chemie, Physik und Matheunterricht, so fiel es mir sehr leicht, technische Konstruktionen zu verstehen wie die von der Solaranlage.
Und einen beruflichen Hintergrund braucht niemand, der eine Hütte gestalten will, es ist mehr eine Entscheidung: Jetzt tue ich es. Anleitungen zu allen Einzelproblemen gibt es auf Youtube und im Internet kostenlos.

Welche positive Erlebnisse hast du in Bezug auf deinen Körper, seit du in der Hütte arbeitest?

Heike Fröhling: Nie war ich so viel draußen. Nie habe ich so viel mit dem Körper erschaffen und so fit war ich nicht einmal in der Zeit, in der ich mich zweimal die Woche ins Fitnessstudio gequält habe.

Aussehen spielt keine Rolle mehr

Welche Bedeutung haben Aussehen und Schönsein für dich? Hat es sich verändert?

Heike Fröhling: Meistens begegne ich gar niemandem, den gesamten Tag nicht, außer meinem Hund Kenny, der konstant an meiner Seite ist. Es ist egal, wie ich aussehe, ob ich verschwitzt bin, beim Frisör gewesen bin.
„Du siehst gut aus“, habe ich mehrmals auf der Buchmesse gehört.

Ja, die Haare sind zwangsläufig länger, weil ich bei all dem Bauen nicht zum Frisör gekommen bin. Gesichtsfarbe gibt es draußen gratis. Und vom Sonnenlicht werden die Haare auch heller.

Aussehen und Schönsein spielt im Grunde gar keine Rolle mehr, außer klar, wenn ich mich mit jemandem treffe, ziehe ich mich ordentlich an und keine Gummistiefel.

Aber durch das Leben abseits des üblichen Alltags fällt mir schon auf, wie äußerlich fixiert das Leben doch ist, da kann man sich gar nicht gegen wehren, im Gegenteil, man hat sich so daran gewöhnt, dass man es nicht mehr bewusst registriert.

Überall sind Spiegel, über jedem Waschbecken, an Garderoben, in Geschäften. Jeder blickt rein, wenn auch nur kurz, mehrmals am Tag und fragt sich dabei: Alles okay? Sitzt die Frisur, die Kleidung? Sieht es auch gut aus?

Überall sind spiegelnde Flächen, Schaufenster, Glasflächen, spiegelnde Flächen. Im Grunde wird man ständig mit dem eigenen Bild konfrontiert, ob man will oder nicht. Und meistens löst es die Frage aus, ob man „gut genug“ ist, ob die „Problemzonen“ auch gut genug „kaschiert“ sind. Das ist im Grunde krank.

Anfangs ist es seltsam, wenn alle Spiegel weg sind.

Rund um die Hütte existieren keine, im Wald nicht, auf den Feldern nicht.

Keine Frau ist unsichtbar, wenn sie durch die Fußgängerzone geht

Dann die Blicke der anderen. Wie intensiv die sind, fällt auch mehr auf, wenn die Blicke die meiste Zeit weg sind.

Sicher, man sieht sich gegenseitig an, man wird angesehen. Keine Frau kann durch die Fußgängerzone gehen und unsichtbar sein. Blicke zeigen auch eine Bewertung. Sind die Blicke anerkennend? Positiv? Nur kurz? Oder lang?

Zusätzlich die Werbeplakate mit gephotoshopten Perfektkörpern, die einem auch noch auf ausgestellten Zeitschriftencovern entgegenlachen.

All das zusammen macht es nicht leicht, mit sich zufrieden zu sein. Ich war nie dick, immer eher groß und schlank. Aber schön? Wer bezeichnet und empfindet sich schon selbst als schön? Das ständige Vergleichen, das Konfrontiertwerden mit Perfektkörpern, der Zwang, sich immer zu sehen macht es nicht leicht, mit sich zufrieden zu sein.

Und um so erschreckender ist es, dass sich diese Zufriedenheit mit sich und dem eigenen Körper nach nur zwei Monaten Abstinenz von all diesen Äußerlichkeiten von selbst einstellt.

Hat sich dein Schreiben verändert, seit du so viel in der Natur bist? Hast du andere Ideen für Romane?

Heike Fröhling: Das Schreiben ist entspannter, weil es keine Ablenkung gibt, kein Telefon, keine Türklingel, keine anderen Menschen, kein Haushalt.

Das gibt das Gefühl, endlos Zeit zu haben.

So ergibt sich viel schneller ein kreativer Fluss.
Vielleicht sollte ich wirklich einmal etwas von der Hütte in einen Roman packen!

 

Mir eine eigene Insel erschaffen ist nicht teuer!

Wenn ich mir auch einen Rückzugsraum in der Natur einrichten möchte, auf was muss ich, deiner Erfahrung nach achten?

Heike Fröhling: Erst einmal: Es ist nicht teuer! Es ist durchaus machbar, auch ohne Vorerfahrungen. Am besten ist es, einfach anzufangen und sich dann vorzutasten, auch das Material nach und nach zu besorgen.

Es gibt im Internet sehr gute Shops für Bauzubehör, dort hatte ich eine bessere Beratung als in jedem Baumarkt.

Nur einen Tipp habe ich: Mit der Isolierung beginnen. Ich habe den Fehler gemacht, am Ende festzustellen, dass man mit Gas die Hütte ohne Dachisolierung nicht warm bekommt, habe am Schluss das Dach mit Korkplatten gedämmt. Das war eine absolute Schweinerei, Korkkrümel waren auf dem Sofa, zwischen den Büchern, auf den Kissen, auf dem Schreibtisch, einfach überall. Wer zuerst das Dach isoliert, der hat es definitiv leichter ;-). Ach ja, Autobatterien sind für den Anschluss an Solaranlagen nicht geeignet. Man sollte sich eine teurere Versorgerbatterie gönnen (wie sie für Boote / Wohnmobile genutzt werden) oder eine Solarbatterie. Autobatterien geben gut in kurzer Zeit viel Strom ab, aber für den Dauerbetrieb sind sie nicht geeignet und eine 100W-Solaranlage produziert mehr Strom, als die Batterie aufnehmen kann.

Endlich weniger Stress

Wie bist du auf die Idee gekommen, die Hütte als Arbeitsraum zu nutzen?

Heike Fröhling: Der Anlass war leider weniger positiv. Ich sehe Doppelbilder, auch wenn ich mir ein Auge zuhalte. Stundenlang im Büro am Computer sitzen, noch dazu in trockener Heizungsluft? Dann sehe ich nach einer halben Stunde so gut wie gar nichts mehr. In der Hütte habe ich die Chance, die Pausenzeiten mit Spaziergängen oder Handwerklichem positiv zu nutzen.

Dann ist es auch eine finanzielle Frage, denn manche meiner Leser haben gemerkt: Da kommt kein neues Buch. Das ist durch die Sehprobleme bedingt und auch finanziell nicht einfach. Das Wissen, dass ich jeden Monat einen Betrag für ein Büroraum ausgeben muss, verursacht schon einen extremen Stress, wenn ich nicht garantieren kann, immer „nachzuliefern“.

Für die Hütte zahle ich rund 20 Euro im Monat, das geht immer.

Wegsein von allen Pflichten

Was liebst an diesem Ort am meisten? Warum?

Heike Fröhling: Das Grün um mich herum. Die Geräusche von Eichhörnchen, Mäusen, Vögeln, dem Wind. Und den Geruch von Jasmintee, der sich in einem so kleinen Raum so intensiv ausbreitet, wir nirgends sonst. Auch die Möglichkeit, auf rund 25 Grad zu heizen und es richtig warm zu haben. Die Chance, immer rauszugehen. Der Wald nebenan. Die Ruhe. Das Wegsein von allen Pflichten.
Okay, das ist zu viel. Was am meisten? Ich kann es gar nicht sagen, es ist in dieser Mischung das Gefühl, wie auf der eigenen, einsamen Insel zu sein, wo niemand irgendetwas von einem will.

Jeder Tag, den wir auf das Ideal warten, der ist verloren

Eine bessere Welt für Frauen – wie müsste sie für dich sein?

Ich glaube, es ist gar nicht die Welt, die das Leben erschwert, sondern oft sind wir selbst es.

Warum habe ich mir nicht schon längst so einen Ort geschaffen? An den 20 Euro im Monat kann es wohl nicht gelegen haben.

Wir denken sehr oft in eingefahrenen Bahnen, können nicht abschalten.

Das beginnt schon morgens, wir sind auf Empfang (wohl wirklich typisch weiblich). Wie geht es den Kindern? Haben sie auch alles, was sie brauchen? Wie ist der Partner gestimmt?

Wir sind wie Seismographen, nehmen die Stimmungen und Erwartungen der anderen wahr, ohne die eigene innere Stimme zu hören, denn die ist meistens sehr viel leiser als das, was von außen kommt.

Direkt zu „meinem“ Ort zu fahren, das ist eine Riesenveränderung.

Die Energie des Tages ist völlig anders, der Tag verläuft anders. Es ist, als hätte jemand einen anderen Schalter gedrückt.

Eine Hütte gestalten oder einen Wohnwagen oder etwas in der Art lässt sich aber auch in kleinerem Rahmen verwirklichen.

Und das finde ich, tun wir viel zu selten, mit viel zu wenig Vehemenz.

Wo ist MEIN Ort, nur für mich, nicht für andere? Wo will ICH sein?

Ich glaube, wir können uns die Welt sehr viel einfacher machen, wir selbst, da brauchen wir gar nicht zu warten, wenn wir das Projekt einfach beginnen, den eigenen Rückzugsort zu suchen und zu gestalten. Es kann eben die Hütte am Waldrand sein, aber auch eine abgelegene Bank irgendwo am Feld, ein

WIRKLICH eigenes Zimmer.

Oft bleiben wir im Konjunktiv. Ich bräuchte eine eigene Insel. Wäre doch nur der ganze Stress nicht. Hätte ich mehr Geld und könnte länger wegfahren. Würde ich doch nur die Chance haben, eine Weltreise zu unternehmen. Würden die anderen doch nur mal aufhören, an mir herumzuzerren …

Aber so funktioniert das leider nicht. Wir sollten nicht warten, dass die Welt besser für Frauen wird, besser für Autoren. Dass wir reich werden und dauernd Urlaub machen können. Was wir haben, ist das JETZT, so, wie es ist. Es ist nicht ideal, bei mir auch nicht. Aber jeder Tag, den wir auf das Ideal warten, der ist verloren.

Stattdessen kann jede von uns und auch jeder heute anfangen zu überlegen: Wo könnte denn mein Rückzugsort sein?

Heike Fröhling – eine mutige Schriftstellerin

Jahrelang war Heike Fröhling als Journalistin für Frauenzeitschriften tätig. Sie veröffentlicht seit 1999 als Verlagsautorin, seit 2012 auch als Selfpublisherin. Mit ihrem Mann, drei Kindern, vier Katzen und Hund lebt sie in Wiesbaden.

Sie schreibt
Familiensagas, Katzengeschichten, Kinder- und Jugendbücher, Thriller, Über Liebe, Weihnachtsgeschichten …
Ich liebe es vor allem, wenn sie über Musik schreibt.

Ihre Psychothriller erscheinen unter dem Pseudonym Leonie Haubrich, die anderen Romane unter Heike Fröhling.

Zu ihren Romanen: Auf lose Blätter 

und mehr über ihr Autorenleben in der Hütte

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Anregung für deine Hüttenzeit

Ich danke Heike ganz herzlich für das inspirierende Interview!

Und ich hoffe, dass es dich genauso wie mich angeregt hat, darüber nachzudenken, wo du deinen eigenen Raum hast oder wie du ihn dir gestalten könntest.

Du kannst sofort damit anfangen und dir ein "Hüttenwochenende" oder einen "Hüttenabend" in deiner Wohnung gestalten.

Wie richtest du es dir dann ein?

  • Eine Zeit ohne Handyempfang?
  • Dich ein paar Stunden nicht um Meinungen und Aktionen der anderen kümmern?
  • Eine Zeit, ohne in den Spiegel zu sehen?
  • Willst du mehr draußen sein?
  • Was reizt dich am meisten?

Berichte Heike und mir davon, wir sammeln gerne Erfahrungen und Ideen und andere Frauen freuen sich, wenn sie hier davon lesen können und Unterstützung bekommen.

4 Gedanken zu „Sehnsucht nach Ruhe – Eine Freundin zieht zum Arbeiten an den Waldrand

  • 12. November 2017 um 18:06
    Permalink

    Ich bekomme sofort Lust auf die einsame Insel. Das spricht mir alles so aus der Seele…weg….Weit weg….
    Ich hab schon eine Idee für meinen eigenen Raum hier in unserer Wohnung. ….
    Danke für die Inspiration

    Antworten
    • 13. November 2017 um 10:44
      Permalink

      Liebe Tina, das freut mich sehr! Vor allem, dass du das „weit, weit weg“ ganz in deiner Nähe einrichten willst. Berichte mir von deinen Erfahrungen. Wie reagiert dein Körper darauf?
      Inselfreie Grüße
      Elke

      Antworten
  • 17. November 2017 um 14:05
    Permalink

    Liebe Heike, liebe Elke,
    wie schön zu lesen!
    Gerne möchte ich meine Erfahrung teilen:
    Mein „Background“ ist ein bisschen anders – ich habe mir vor drei Jahren ein recht großes Baugrundstück gekauft mit dem Wunsch, dort mein Traumhaus zu errichten. Noch arbeite ich darauf hin, diesen Traum zu verwirklichen, aber – da ich nur 35 Autominuten von meinem Grundstück entfernt eine Wohnung habe – fahre ich den ganzen Sommer über mindestens einmal am Wochenende dort hin. Die restliche Zeit des Jahres bin ich dann dort, so wie es sich wettermäßig günstig ergibt, aber am liebsten auch mindestens einmal am Wochenende.
    Dieses Jahr hat mir eine Freundin dann noch einen recht kleinen Wohnwagen geliehen, und so konnte ich von Juni bis September an allen Wocheneden und im August auch für eine ganze Woche während meines Urlaubs dort auch die Nächte verbringen. Es gibt technisch bedingt (zum Glück) keinen Handyempfang, Fernsehen kam für mich sowieso nicht in Frage und der Wohnwagen hat mir grade genug Platz geboten zum Schlafen. Da ich meine Zeit nicht mit den üblichen Haushaltstätigkeiten füllen wollte, habe ich mir das Essen in meiner Wohnung vorbereitet und in Kühltaschen mitgenommen. An den „langen Wochenenden“ und im Urlaub ging ich dann auch mal in ein kleines Gasthaus vor Ort, wo ich mit frisch zubereitetem Essen verwöhnt wurde. Ansonsten konnte ich morgens „vom Bett aus“ den Sonnenaufgang über den Bergen im Osten genießen, wenn es dann zu warm wurde im Wohnwagen (das geht erstaunlich schnell wenn die Sonne da ist) bin ich aufgestanden und habe an der Feuerstelle sitzend im Freien gefrühstückt. Da es auf so einem Grundstück immer was zu werkeln gibt, war ich wann immer und so lange wie ich wollte beschäftigt mit gärtnern und Biotop errichten. Die Natur hat mir dafür mehr aus genug bereitgestellt – Steine, Holz und Erde. Pausenzeiten gab es auch, die ich an einem lauschigen Platz im Schatten von einem kleinen Ahorn verbracht habe – meistens mit Sonne genießen. Abends, wenn die Sonne unterging, war ich so ausgefüllt und aufgefüllt vom Sein in der Natur, dass ich „einfach nur noch ins Bett wollte“. Kein Bedürfnis nach Fernsehen, lesen oder reden. Dass es keinen Spiegel gab – stellte ich am Morgen nach meiner ersten Übernachtung fest – ich hatte vergessen, einen mitzunehmen. Habe mir meine langen Haare dann mit dem Gummiband zusammengebunden und war für mein Befinden „ausreichend hergerichtet“. So blieb das dann auch den ganzen Sommer, und ich fühlte mich trotzdem wohl und „vorzeigbar“. Ab und zu kamen Nachbarn vorbei auf einen kurzen Schwatz, aber die meiste Zeit habe ich alleine mit mir und den Wesen von Mutter Erde verbracht.
    Auch ich habe die Erfahrung gemacht: körperlich war ich noch nie so fit, ich hatte – trotz der vielen körperlichen Arbeit wenig bis keine Rückenschmerzen – und freue mich nun seit Herbst über meinen den ganzen Sommer hindurch selbstgesammelten Tee mit Schafgarbe, Zitronenmelisse, Bergthymian, Brennessel, Ringelblume, Brombeer- und Himbeerblätter und Holunderblüten.
    Es ist wunderbar, morgens aufzustehen und zu wissen: es muss nichts getan werden, es ist wunderbar, ganze Tage ohne vorgegebene Zeiteinteilung in der Natur verbringen zu können, ohne den Anspruch, von A nach B kommen zu müssen. Und trotzdem konnte ich im Herbst im Garten einiges sehen, was „geschafft“ worden ist, und das ohne den gewohnten Stress.
    Nächstes Frühjahr möchte ich mir einen kleinen Holzpavillon bauen –danke an Heike für den Tipp mit der Korkisolierung unterm Dach, das werde ich brauchen.
    Herzliche Grüße
    Petra

    Antworten
    • 17. November 2017 um 17:05
      Permalink

      Liebe Petra,
      ich freue mich sehr über deinen Kommentar!
      Aus deiner Beschreibung strahlt so viel Harmonie durch die Verbindung mit der Natur. Da hast du einen ganz kostbaren Schatz für dich gefunden.
      Eigentlich verrückt, wie einfach es sein kann. Und ich wünsche uns allen immer wieder die Erkenntnis, dass die Zufriedenheit aus den einfachen Dingen um uns herum entsteht: Erde, Pflanzen, Luft und Wind … und der Körper darauf auch sehr gut reagiert.
      Und es stimmt, es wird dann so unwichtig, ob die Haare gut sitzen!
      Ich habe auch nie die Erfahrung gemacht – und Heike berichtet das Gleiche – dass man schief angeschaut wird, wenn man in „Wildkleidung“ unterwegs ist. Im Gegenteil, ich denke, die Leute nehmen einen als sehr lebendig und authentisch wahr.
      Und ich bin überzeugt, dass wir dann am schönsten sind!
      Frauenschöne Grüße
      Elke

      Antworten

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