Heute kannst du erkunden, wie deine tatsächliche Beziehung zu deinem ungeliebten Körperbereich aussieht.
Nur wenn der Kampf gegen deinen Körper nicht mehr im Untergrund oder Hintergrund abläuft, kannst du wirklich etwas verändern.
Deine Problemzonen
Normalerweise neigen wir dazu, uns von den Körperstellen abzuwenden, die wir an uns nicht mögen. Wir versuchen, sie in der Wahrnehmung auszublenden. Spüren können wir sie nur mit unguten Gefühlen.
Du nennst die Stellen vielleicht deine „Problemzonen“, verdammst sie, findest sie hässlich und denkst nur mit Widerwillen an sie. Oder du bekämpfst sie mit verschiedenen Maßnahmen.
Im Grunde weißt du schon, dass du diesen Kampf nicht gewinnen kannst. Entweder verändern sich die Körperbereiche nicht, weil es gar nicht geht oder sie verändern sich nicht, weil du sie anfeindest.
Meine Überzeugung ist:
Alle Maßnahmen versagen, weil du nicht mit diesen Körperbereichen lebst, sondern gegen sie.
Es kostet viel Energie, einerseits mit dir zu hadern, und anderseits zu verdrängen, was dich wirklich beschäftigt. Es ist, als würde ein Kampf im Untergrund stattfinden.
Der Kampf gegen deinen Körper soll ab jetzt nicht mehr im Untergrund oder Hintergrund ablaufen.
Vielleicht bist du es gewöhnt, sofort darüber nachzudenken, was du unternehmen könntest, damit sich eine Körperstelle verändert. Ich nenne das die „Kopfschmerztabletten-Methode“: Es tut weh – Tablette – alles ist gut.
Wenn du aber sehr oft Kopfschmerzen bekommst, ist es an der Zeit zu überlegen, woher die Kopfschmerzen kommen.
Trainingsmaßnahmen und Abnehmversuche sind wie Kopfschmerztabletten gegen ein Körperteil. Sobald die Wirkung nachlässt, ist das Problem wieder da.
Ich möchte dir einen neuen Weg zeigen, bei dem das Ziel nicht das sofortige Verschwinden des Problems ist. Im Gegenteil, deine ungeliebten Körperstellen sollen Beachtung bekommen und wahrgenommen werden.
Jedes Empfinden will dir etwas mitteilen
Unwohlsein deinem Körper gegenüber braucht immer Aufmerksamkeit, denn dieses Empfinden will dir etwas erzählen, was du noch nicht verstanden hast.
Werde zur Forscherin
Schenke dir jetzt Beachtung mit einer wohlwollenden, akzeptierenden Haltung. Versuche, eine neutrale Haltung einzunehmen, so, wie das eine Forscherin einem unbekannten Land macht. Je vorurteilsfreier du beobachtest, desto mehr kannst du herausfinden.
Vielleicht ist es nicht einfach, ehrlich mit dir zu sein, weil es dir peinlich ist. Versuche es.
Es kann sich schon die erste Anspannung lösen, wenn du vor dir selber zugibst: Ja, so ist es.
Damit machst du eine Bestandsaufnahme und legst fest, was dein Ausgangspunkt ist. Und deine Energie wird für eine tiefgreifende Veränderung frei.
Übung: Das eigene KörperReich erforschen
Schreibe die Aussagen in dein Tagebuch, die auf dich zutreffen und ergänze gegebenenfalls den Satz.
Ich mag nicht alles an mir
Es gibt ein Körperteil, das anders aussehen sollte
Ich kann mehrere Körperbereich nicht leiden
Ich mache Diäten, um meinen Körper zu verändern
Ich mach sportliche Übungen, um meinen Körper zu verändern
Ich hungere, um …
Ich tage weite oder lange Kleidung, um Körperstellen zu verstecken
Ich kenne noch andere Tricks …
Ich ziehe immer den Bauch ein
Ich kontrolliere wie ich sitze, damit bestimmte Körperteile nicht unvorteilhaft aussehen
Ich verschränke meine Arme vor der Brust oder dem Bauch, um etwas von mir zu verstecken
Ich bin immer gestresst, wenn ich ein Foto von mir sehe
Ich schaue nicht gerne in den Spiegel
Ich schaue oft in den Spiegel
Ich werde unglücklich, wenn ich mich im Spiegel sehe
Ich hasse es fotografiert zu werden – das Gesicht – den Körper
Ich vergleiche mein Aussehen mit anderen
Ich würde eine Schönheits-OP machen lassen
Eine Stelle an meinem Körper macht mir besonders zu schaffen
Kennzeichne auf einem Körperumriss, welche Körperteile du an dir magst und welche nicht.
Verwende verschiedene Farben für neutrale, geliebte und ungeliebte Körperbreiche.
Du kannst das Bild herunterladen und ausdrucken.
Es reicht aber auch, wenn du einen einfachen Körperumriss skizzierst.
Schreibe Eigenschaften dazu, die du mit diesem Körperteil verbindest. Z.B. glatt, leuchtend, weich, hart, beweglich …
Suche nach Begriffen, die im Grunde neutral sind.
Wenn du eine Stelle mit mager, hart, weich oder mit einem anderen Begriff bezeichnest, dann ist das für dich nicht neutral, weil du darunter leidest, dass der Körperbereich so ist. Es geht auch nicht darum, ein neutrales Gefühl dafür zu entwickeln, sondern darum, Körperteile wertfrei zu beschreiben. Vermeide lieblose und abwertende Begriffe.
Schreibe dazu, wie belastend oder erfreulich das Aussehen bestimmter Körperteile für dich ist
Verwende eine Skala von -3 bis +3
Dieser Körperbereich empfindest du als:
-3 sehr belastend
-2 belastend
-1 etwas belastend
0 neutral
+1 ganz okay
+2 gut
+3 sehr gut
Du hast heute einen sehr mutigen Schritt gemacht.
Du bist als Forscherin in deinem unbekannten Land angekommen und hast dich umgesehen, dich den Tatsachen gestellt und die Umgebung genau betrachtet. Du hast Steilhänge und Sumpfgebiete entdeckt, die du am liebsten meiden würdest. Wüsten oder gefährliche Gewässer, scheinen unüberwindbar. Vielleicht hast du auch noch weiße Flecken auf der Landkarte. Das heißt, du weißt nicht, was dich dort erwartet.
Das Abenteuer hat begonnen.
Falls du entdeckt hast, dass es viele Stellen gibt, die dir zu schaffen machen, dann werde nicht verzagt. Es bedeutet nicht, dass du sehr viel Arbeit haben wirst oder es sehr lange dauern wird, bis zu mit deinem Körper in Harmonie leben kannst.
Wir werden uns an den folgenden Tagen zwar mit einer ungeliebten Körperstelle beschäftigen, aber die Wirkung ist ganzheitlich. Das heißt, du wirst am Ende deiner Forschungsreise insgesamt ein besseres Körpergefühl haben und manche Problemstellen verändern sich von allein.
Falls die heutige Übung für dich emotional und anstrengend war, solltest du dir noch etwas Gutes tun.
Schenke dir Anerkennung für deinen Mut
Klopfe mit weicher Hand rundherum deine Schultern ab. Bis zum Hals, den Oberarm, vorne über das Schlüsselbein und hinten so weit, wie du es bequem erreichen kannst.
Zuerst die eine Seite.
Vergiss nicht zu atmen!
Werde immer langsamer und sachter beim Klopfen.
Halte inne.
Atem tief durch und spüre den Unterschied zwischen beiden Schultern.
Klopfe dann die andere Seite aus.
Vergiss nicht zu atmen.
Werde immer langsamer und sachter beim Klopfen.
Sitz einen Moment still, atme tief durch und sage dir:
Ich war heute sehr mutig!
Denke noch einmal kurz an die Aussagen und die Zeichnung.
Beantworte in Stichworten folgende Fragen:
Was hast du erlebt?
Was hat dich berührt?
Was hat dich überrascht?
Was macht dich neugierig
Bestimmt hast du schon den einen oder anderen wichtigen Gedanken über deine KörperReich-Reise.
Halte ihn jetzt spontan in deinem Reisetagbuch fest.
Maja: „Was hat dich berührt?
Dass die Beine auch der Einstieg damals in meine Essstörung war. Sie waren der erste Teil meines Körpers, den ich nicht gemocht habe und nun der letzte, den ich immer noch nicht liebe.
Was hat dich überrascht?
Dass ich mich oft im Spiegel anschaue und kontrolliere, ob ich mich mag und was ich mag und was nicht. Obwohl ich schon echt gesund bin.
Was macht dich neugierig?
Ob ich es schaffe, wieder liebevoll meine Beine zu lieben.“
Pertra „Dieser Tag war intensiv und anspruchsvoll. Es ist unangenehm, sich mit seinen ungeliebten Körperteilen auseinanderzusetzen und ich kam nur schwer in die Forscherrolle rein, sondern war sehr emotional.“
Merle „Meine Erkenntnis war: Meine Beine haben immer eine große Rolle gespielt. In meiner Kindheit haben sie mich erfolgreich im Sport gemacht und dann wurden sie zum Feind. Diese Verwandlung gefällt mir nicht. Ich spüre Mitleid mit den Beinen.“
Marion: Ich bin traurig geworden. Es berührt mich zuzugeben, dass ich etwas an mir nicht mag. Wie es wohl weitergeht, das macht mich neugierig.