Gewicht,  Körperschemastörung

Die Abnehmspritze – wer will sie nicht?

Die Abnehmspritze – wer will sie nicht?

Abnehmen mit der Spritze – will das nicht jeder? Eine provokante Frage, zu einem heißen, aktuellen Thema.

Ich bin Psychologin und Tanztherapeutin und spezialisiert auf Essstörungen. Mein Fokus liegt darauf, meine Klientinnen darin zu unterstützen, ein liebevolles, zufriedenes und selbstbewusstes Gefühl zu ihrem eigenen Körper zu entwickeln – ganz unabhängig vom Gewicht.

In den 30 Jahren meiner Praxistätigkeit habe ich viele Abnehm-Trends erlebt, aber keiner war so beeindruckend wie die Abnehmspritze.

Es klingt so verlockend! Ein kleiner Piks und die Gewichte purzeln nur so weg, ohne dass ich mir Gedanken über meinen Hunger oder mein Bewegungspensum machen müsste. Ich kann es ja direkt beobachten, wie Promis, Politikerinnen und auch meine Nachbarinnen scheinbar mühelos die Pfunde loswerden. Das will ich haben, auch wenn ich nur 5 kg oder 10 kg abnehmen möchte! Vielleicht sollte ich versuchen, meine Ärztin zu überreden?

Solche oder ähnliche Gedanken habe ich in letzter Zeit häufiger von meinen Klientinnen gehört.

Leider habe ich keine Erfahrungen mit Ozempic oder Mounjaro. Zu mir kommen ein paar wenige Klientinnen, die kürzlich begonnen haben, die Medikamente zu spritzen.

Es ist also höchste Zeit für mich, mehr in Erfahrung zu bringen. Deswegen habe ich eine umfangreiche Recherche gestartet und will meine Erkenntnisse mit dir teilen.

Vielleicht helfen sie dir dabei, die richtige Entscheidung für dich zu finden.

Meine Recherche über die Abnehmspritze:

Was du in meiner Zusammenstellung lesen kannst, sind Ergebnisse aus Studienveröffentlichungen: Wie schnell und gut wirken die Medikamente, was passiert, wenn man sie absetzt? Wer bekommt es verschrieben? Was kostet es? Und weitere Fragen, die ich mir gestellt habe.

Außerdem hatte ich noch ein paar kritische Gedanken dazu: Ist die Abnehmspritze besser als ein Abnehm-Shake? Welche Nebenwirkungen könnten für die Psyche relevant sein? Usw.Abneh

Wie viel kann ich mit der Abnehmspritze abnehmen?

Die Zahlen in den Klammern verweisen auf die Quellen am Ende meines Textes.

Semaglutid – STEP-1-Studie (1)

• Wirkstoff: Semaglutid

• Handelsnamen: Ozempic® (1 mg, für Typ-2-Diabetes), Wegovy® (2,4 mg, für Adipositas)

• Studiendauer: 68 Wochen

• Teilnehmer:innen: 1.961 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas

• Gewichtsabnahme: Ø 14,9 % (≈ 15 kg), v. a. in den ersten 6 Monaten 1–2 kg pro Monat

• Gewichtszunahme nach Absetzen: Ø 11,6 % des Körpergewichts wieder zugenommen ≈ 12 kg

• Weitere Effekte: Verbesserung von HbA1c, Blutdruck, Blutfetten, CRP gesenkt

• Psychische Effekte: Verbesserte Lebensqualität bei vielen. Einzelne Berichte über emotionale Leere, depressive Verstimmung

 

Tirzepatid – SURMOUNT-1 & SURMOUNT-4

• Wirkstoff: Tirzepatid

• Handelsname: Mounjaro® (für Typ-2-Diabetes zugelassen)

• Studiendauer: 72 Wochen (SURMOUNT-1), Follow-up in SURMOUNT-4

• Teilnehmer:innen: 2.539 (SURMOUNT-1), 670 (SURMOUNT-4)

• Gewichtsabnahme: Ø 20,9 % (≈ 20–25 kg), Ø 1–2 kg pro Monat

• Gewichtszunahme nach Absetzen: bis zu 14 % wieder zugenommen ≈ 12–14 kg

• Weitere Effekte: Verbesserung von Glukosestoffwechsel, Triglyzeriden, Insulinresistenz und Entzündungsmarkern

• Psychische Effekte: Verbesserte psychosoziale Parameter, keine klaren Daten zu depressiven Symptomen

 

Liraglutid – SCALE-Studie

• Wirkstoff: Liraglutid

• Handelsnamen: Saxenda® (3 mg), Victoza® (1,8 mg)

• Studiendauer: 56 Wochen

• Teilnehmer:innen: 3.731 Erwachsene

• Gewichtsabnahme: Ø 8,4 kg (~8 %) ≈ 0,6–0,8 kg pro Monat

• Gewichtszunahme nach Absetzen: 4–6 kg (ca. 50–80 % des verlorenen Gewichts)

• Weitere Effekte: Verbesserter Blutzucker, systolischer Blutdruck, Leberwerte

• Psychische Effekte: Geringe bis moderate Verbesserungen, einzelne depressive Verstimmungen

 

Typischen Verlauf der Gewichtsabnahme

Gewichtsverlust ist meist besonders stark in den ersten 4–6 Wochen. Im Durchschnitt 3–5 kg, bei höherer Dosis auch mehr.

Gründe: Wasserverlust

Reduzierte Kalorienaufnahme durch Übelkeit oder stark verminderten Appetit

2.- 6. Monat:

Weiterhin deutliche Abnahme, aber etwas langsamer. Durchschnittlich 1 – 2 kg pro Monat. Manche verlieren kontinuierlich, andere mit Plateaus.

Ab Monat 6: Gewichtsverlust verlangsamt sich deutlich. Körper beginnt, Gegensignale zu senden (Set-Point, adaptive Thermogenese). Viele erreichen ein Plateau.

Konkrete Abnehm-Werte aus der STEP-1-Studie (Semaglutid 2,4 mg)

Bis Woche 4: ca. – 3,5 kg

Bis Woche 12: ca. – 7,5 kg

Bis Woche 36: ca. –12,5 kg

Bis Woche 68 (Ende): Ø –15 kg (≈ 15 % des Ausgangsgewichts)

Ergebnis: Die größten Effekte passieren meist im ersten halben Jahr, danach stagniert es meistens.

Wer bekommt die Abnehmspritze verschrieben? Wie viel kostet es?

(Stand April 2025)

Wegovy (Semaglutid 2,4 mg)

• Zugelassen für: Adipositas (BMI ≥ 30) oder Übergewicht (BMI ≥ 27) mit Begleiterkrankung

• Häufigkeit der Injektion: 1× pro Woche (subkutan)

• Rezeptpflicht: Ja (verschreibungspflichtig)

• Kostenübernahme: Keine Kassenleistung bei Adipositas; komplette Selbstzahlerleistung•

Preis: ca. 300–350 € pro Monat

• Studienergebnisse (STEP-1): Ø 14,9 % Gewichtsverlust (≈ 15 kg), Wiederzunahme nach Absetzen Ø 12 kg•

Weitere Effekte: Verbesserte Blutwerte, Entzündungsmarker gesenkt

• Psychische Wirkung: Verbesserte Lebensqualität, teils depressive Verstimmung berichtet

.

Ozempic (Semaglutid 1 mg)

• Zugelassen für: Typ-2-Diabetes

• Häufigkeit der Injektion: 1× pro Woche (subkutan)

• Rezeptpflicht: Ja

• Kostenübernahme: Nur bei Diabetesdiagnose durch gesetzliche oder private Krankenkasse

• Preis: ca. 140–180 € pro Monat

• Hinweis: Nicht für Adipositas zugelassen, häufig Off-Label genutzt

.

Mounjaro (Tirzepatid)

• Zugelassen für: Typ-2-Diabetes (Zulassung für Adipositas noch ausstehend)

• Häufigkeit der Injektion: 1× pro Woche (subkutan)

• Rezeptpflicht: Ja

• Kostenübernahme: Bei Diabetes häufig von Krankenkasse übernommen

• Preis: ca. 250–350 € pro Monat

• Studienergebnisse (SURMOUNT-1): Ø 20,9 % Gewichtsverlust (≈ 20–25 kg), Wiederzunahme nach Absetzen bis 12–14 kg

• Weitere Effekte: Verbesserung von Blutzucker, Lipiden, Entzündungsparametern

• Psychische Wirkung: Verbesserte Lebensqualität, psychosoziale Funktion verbessert

.

Saxenda (Liraglutid 3 mg)

• Zugelassen für: Adipositas (BMI ≥ 30) oder Übergewicht (BMI ≥ 27) mit Folgeerkrankung

• Häufigkeit der Injektion: Täglich (subkutan)

• Rezeptpflicht: Ja

• Kostenübernahme: In der Regel keine, Selbstzahlerleistung

• Preis: ca. 250–350 € pro Monat

• Studienergebnisse: Ø 8,4 kg Gewichtsverlust (~8 %), Wiederzunahme nach Absetzen ca. 4–6 kg

• Weitere Effekte: Verbesserte Blutzuckerwerte, Blutdruck, Leberwerte

• Psychische Wirkung: Geringe bis moderate Verbesserung, einzelne depressive Episoden berichtet

Das sind ernüchternde Werte! Nach diesen Ergebnissen fragte ich mich, ob die Abnehmspritze wirklich besser ist als ein Abnehm-Shake.

Also habe ich nach einer neueren Studie über Alamsed gesucht.

Ist die Abnehmspritze besser als ein Abnehm-Shake?

Formula-Diäten / Abnehmshakes (z. B. Almased®) (4)

• Ansatz: Mahlzeitenersatz mit kalorienreduziertem Eiweißshake (ca. 230 kcal/Shake), ersetzt 1–2 Mahlzeiten täglich

• Studiendauer: Studien 12 Wochen bis 6 Monate

• Teilnehmer:innen: z. B. 90 in der ACOORH-Studie (2020), teils mehrere hundert in Meta-Analysen

• Gewichtsabnahme: Ø 1–2 kg pro Monat, insgesamt 5–10 kg in 12–24 Wochen

• Gewichtszunahme nach Absetzen: häufig 3–7 kg innerhalb von 6–12 Monaten

• Weitere Effekte: Kurzfristige Verbesserung von Blutzucker, Blutfetten möglich

• Psychische Effekte: häufig Frust nach Beendigung

Also das hat mich dann doch erstaunt. Mir war bekannt, dass Fomula-Diäten meist nicht sehr nachhaltig wirken. Im aktuellen Vergleich sehe ich wirklich nicht viel Unterschied zur Abnehmspritze – außer im Preis. (Und natürlich muss man keine ekligen Shakes trinken.)

Da lag natürlich die Frage nahe: Wirkt dann eine kalorienreduzierte Diät besser?

Wie wirkt eine Abnehmspritze im Vergleich zu einer Kalorienreduktionsdiät?

• Ansatz: Kaloriendefizit (500–800 kcal/Tag)

• Studiendauer: ≥12 Monate

• Gewichtsabnahme: 1–2 kg pro Monat, Ø 10–12 % nach 1 Jahr ≈ 10 –12 kg

• Gewichtszunahme: oft < 3–5 kg

• Weitere Effekte: Verbesserte Blutwerte

• Psychische Effekte: teilweise verbesserte Lebensqualität und stabileres Essverhalten

Das ist ein sehr ernüchterndes Gesamtergebnis! Abnehmen kann klappen, egal mit welcher Methode, aber die Gefahr besteht, dass es nicht nachhaltig ist – eine Erfahrung, die viele gemacht haben.

Wann kann eine Abnehmspritze funktionieren?

In keiner der oben genannten medikamentösen Studien wurde eine intensive Begleitung durch Psychotherapie, Ernährungsschulung oder Bewegungsprogramme angeboten. Die Gewichtsabnahme erfolgte rein pharmakologisch oder über Kalorienreduktion, mit nur geringen Verhaltensempfehlungen. Dies erklärt auch das hohe Risiko für Gewichtszunahme nach Absetzen.

Leider bestehen weiterhin die bekannten Probleme: der Jojo-Effekt und der Set-Point.

Das heißt, der Körper verteidigt sein früheres Gewicht, egal, mit welcher Methode man abnimmt.

Die Abnehmspritze wirkt also nur so lange, wie man sie nimmt – ein bisschen wie Insulin bei Typ-1-Diabetes, aber ohne echte Heilwirkung.

Eine „kurze Kur“ oder Intervallgabe wird nicht empfohlen, da der Körper sehr schnell in alte Muster zurückfällt – sowohl hormonell als auch verhaltensbiologisch.

Die Hersteller und viele Fachgesellschaften sehen GLP-1-Agonisten bei Adipositas mittlerweile als Langzeittherapie, ähnlich wie bei Bluthochdruck oder Diabetes.

Der Jojo-Effekt bei der Abnehmspritze

Oder anders gefragt: Warum kommt das Gewicht zurück?

Der Körper versucht, sein altes Gleichgewicht (Set-Point) wiederherzustellen – eine Schutzreaktion, die evolutionär sinnvoll war, aber heute gegen uns arbeitet.

Nach dem Absetzen der Medikamente:

Hunger steigt wieder deutlich an (Rebound-Effekt),

Sättigungssignale werden schwächer,

Verlangsamter Grundumsatz bleibt reduziert, weil weniger Körpermasse versorgt werden muss – das bleibt auch dann so, wenn wieder mehr gegessen wird,

Appetitregulation wird abrupt sich selbst überlassen.

Ergebnis: Die allermeisten nehmen wieder zu – meist rasch und über das Ausgangsgewicht hinaus (klassischer Jojo-Effekt).

Set-Point-Effekt bei der Abnehmspritze

Die Set-Point-Theorie: Der Körper hat ein „biologisches Soll-Gewicht“, das im Hypothalamus gesteuert wird.

Wird Gewicht reduziert (egal wie), reagieren Hormone wie Leptin, Ghrelin, Insulin und GLP-1 mit Gegenregulation:

Hunger wird mehr

Sättigung wird weniger

Energieverbrauch im Körper sinkt (frieren)

Diese Effekte werden während der Einnahme der Medikamente (über Injektionen) künstlich ausgeschaltet, aber nicht dauerhaft umprogrammiert. Nach Absetzen geht das System zurück in die vorherige „Betriebseinstellung“.

Hier kommt dann meine Expertise wieder ins Spiel: Die Psyche und alles, was damit zusammenhängt.

Abnehmen ist toll, besonders, wenn es so leicht geht. Aber wie kann das Gewicht dauerhaft stabil bleiben?

Wie kann die Wirkung der Abnehmspritze verbessert werden?

Am liebsten würde ich nie wieder essen!, das sagen Klientinnen oft voller Verzweiflung zu mir.

Ich kann das gut verstehen, denn Essen bleibt weiterhin ein psychisches Geschehen. Essen ist mit Gefühlen und Bedürfnissen verknüpft, die nicht dauerhaft ausgeschaltet werden können.

Was die Abnehmspritze leider nicht kann, ist die Körperwahrnehmung und die Selbstregulation verbessern. Frustessen, Belohnungsessen, Essanfällen und anderen psychischen Mechanismen kommen zurück, wie der Appetit.

Das Körperschema wird sich nur wenig verändern, auch wenn das Wunschgewicht vieles erleichtert. Man wird weniger wegen des Gewichtes verurteilt und beleidigt.

Ich sehe daher Psychotherapie nicht als Gegenpol zur Spritze, sondern als Ergänzung oder nachhaltige Alternative.

Eine andere Frage hat mich noch beschäftigt: Wie wirken die Medikamente eigentlich auf das Mikrobiom?

Die Abnehmspritze und das Mikrobiom

Die Medikamente der Abnehmspritzen bewirken, dass die Nahrung langsamer durch den Magen-Darmtrakt wandert. Das muss nach meiner Logik eine Auswirkung auf die Darmflora haben. Anwender*innen berichten ja auch von Übelkeit, Verstopfung, Sodbrennen, Gasen.

Der Appetitverlust wird zwar begrüßt, weil man dann weniger Lust hat etwas zu essen, aber keinen Appetit zu haben, heißt auch: Essen weniger schmecken und genießen können. Ein Stück Lebensfreude geht verloren.

Aber zurück zur Biologie:

Das Mikrobiom – also die Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm – spielt eine zentrale Rolle für unsere körperliche und psychische Gesundheit. Es beeinflusst nicht nur Verdauung und Immunsystem, sondern steht auch in engem Kontakt mit dem Gehirn. Dieses Zusammenspiel wird als Darm-Hirn-Achse bezeichnet.

Welche Wirkung hat das Mikrobiom auf die psychische Gesundheit?

– Das Mikrobiom produziert Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin, GABA – Botenstoffe, die direkt unsere Stimmung regulieren.

– Es beeinflusst wie wir auf Stress reagieren, nämlich über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA-Achse).

– Eine gesunde Darmflora wirkt entzündungshemmend – das ist wichtig, da stille Entzündungen mit Depressionen, Angst und Müdigkeit in Verbindung stehen.

– Ungleichgewichte im Mikrobiom (Dysbiose) werden mit Depression, Angststörungen, Reizbarkeit, Schlafstörungen und anderen neurologischen Erkrankungen in Verbindung gebracht.

Ein gesundes Mikrobiom unterstützt:

– Emotionale Stabilität  – Konzentrationsfähigkeit  – Schlaf und Erholung  – Resilienz gegenüber Stress

Die Forschung steckt zwar noch in den Anfängen, aber der Zusammenhang ist jetzt schon deutlich: Ein vielfältiges, stabiles Mikrobiom wirkt wie ein inneres Schutzsystem, das nicht nur den Körper, sondern auch unsere Gefühle im Gleichgewicht hält.

Fehlende Forschung

Und hier taucht ein Problem auf: In der Arzneimittelzulassung wird die Darmflora, also das Mikrobiom bislang nicht systematisch in die Zulassungsstudien einbezogen, obwohl sie für viele Körperfunktionen entscheidend ist. Das heißt, es wird nicht untersucht, ob die Abnehmspritze das Mikrobiom verändert.

Warum ist das so?

Zulassungsverfahren interessieren sich nur für bestimmte Faktoren:

Bei der Zulassung eines Medikaments wie Semaglutid geht es vorrangig um:

– Wirksamkeit: z. B. Gewichtsverlust oder Blutzuckersenkung.

– Sicherheit: z. B. Leber-, Nieren-, Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen.

– Verträglichkeit: z. B. Übelkeit, Erbrechen.

Das Mikrobiom gehört (noch) nicht zu den regulären Prüfparametern.

Darmflora ist ein junges Forschungsfeld:

– Erst seit etwa 15 Jahren (Bemerkung von mir am Rande: Reichen 15 Jahre nicht, um den Menschen endlich als Gesamtheit zu betrachten!?) ist klar, wie tiefgreifend die Mikrobiota Immunfunktion, Hirnstoffwechsel, Psyche, Hormone und Entzündungsprozesse beeinflusst.

– Mikrobiomanalysen sind teuer, uneinheitlich und noch nicht Teil der Standard-Toxikologie.

Post-Marketing-Phase & Beobachtungen

– Medikamente wie Ozempic oder Wegovy werden zunächst für einen spezifischen Nutzen zugelassen (z. B. Diabetes, Adipositas).

– Erst wenn viele Menschen das Medikament verschrieben bekommen, kann man die Wirkung auf andere Bereiche des Körpers beobachten. Wie z.b. systemische Effekte, u. a. auf die Darmflora.

– Solche Effekte werden dann häufig erst in nachgelagerten Studien erforscht – oder gar nicht, wenn sie nicht als unmittelbar sicherheitsrelevant erscheinen.

– Das heißt, Nutzer*innen sind dem Risiko ausgesetzt, dass es Langzeiteffekte auf ihre Gesundheit geben könnte, die aber erst nach Jahren oder gar nie im Zusammenhang gesehen werden.

Die Darmflora ist kein neutraler Hintergrund, sondern ein aktiver Mitspieler im Stoffwechsel, Immunsystem und sogar bei der Arzneimittelwirkung.

Veränderungen des Mikrobioms können langfristige Risiken bergen – z. B. entzündliche Darmerkrankungen, veränderte Stressverarbeitung, gesteigerte Infektanfälligkeit. Und wer weiß, was noch?

Meine Meinung nach der Recherche

Die Abnehmspritze ist kein Wundermittel, vielleicht nicht einmal besser als jede andere Art der Gewichtsreduktion.

Im Moment weiß man noch nicht, wie die Langzeitwirksamkeit und die Folgen für Anwender*innen aussehen.

Ich fürchte, dass es eine sehr überzeugende Marketingstrategie ist, die heute viel mehr Menschen erreicht als es vielleicht früher der Fall war, als andere Versprechen in die Welt gestreut wurden – um uns schlecht fühlen zu lassen (bin ich zu dick?) – um unser Geld zu kassieren und das Körpergefühl mit allem nachhaltig zu stören.

Vielleicht erinnerst du dich: 7-Tage-Körner-Kur, Atkins-Diät, Brigitte-Diät, Hollywood-Diät, Trennkost nach Hay, F.-X.-Mayr-Kur, Montignac-Methode, Kohlsuppendiät, Weight Watchers, Glyx-Diät, South-Beach-Diät, Rohkost-Diät, Intervallfasten, Paleo-Diät, ketogene Diät, Basenfasten, Clean Eating, OMAD („One Meal A Day), Blutgruppendiät, Ayurveda-Ernährung.

Ich verstehe jeden, der es ausprobieren will, weil Übergewicht eine Belastung sein kann. Weil Übergewicht mit Verurteilungen, Hänseleien und Mobbing verbunden ist. Weil Übergewicht die Gesundheit belastet. Weil es schrecklich ist, wenn man sich im eigenen Körper nicht wohlfühlt.

Warum ein gutes Körpergefühl mit JEDEM Gewicht das Wichtigste ist, habe ich in vielen Artikeln auf meiner Webseite beschrieben und gebe Hilfestellung in meinen Büchern und im Seminar „Endlich fühle ich mich wirklich schön!“, deswegen vertiefe ich dieses Thema heute nicht.

Ich möchte dich aber in jedem Fall ermutigen, dich auf allen Ebenen mit deinem Körper auseinanderzusetzen.

Ich hoffe, meine Recherche hilft dir dabei, liebevolle Entscheidungen für dich und deinen Körper zu treffen!

Körperfrohe Grüße

Elke Weigel

Quellen:

(1) Wilding, J. P. H., Batterham, R. L., Calanna, S., Davies, M., Van Gaal, L. F., Lingvay, I., … & Kushner, R. F. (2021). Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity. The New England Journal of Medicine, 384(11), 989–1002.

(2) Jastreboff, A. M., Aronne, L. J., Ahmad, N. N., Wharton, S., Connery, L., Alves, B., … & Kaplan, L. M. (2023).Tirzepatide Once Weekly for the Treatment of Obesity. JAMA, 329(2), 183–193.

(3) Pi-Sunyer, X., Astrup, A., Fujioka, K., Greenway, F., Halpern, A., Krempf, M., … & Skjøth, T. V. (2015).A Randomized, Controlled Trial of 3.0 mg of Liraglutide in Weight Management. The New England Journal of Medicine, 373(1), 11–22.

(4) Kempf et al., Clinical Nutrition ESPEN 2020; Meta-Analyse: Astbury et al., BMJ 2020

(5) Kim, H. J., Kim, D. H., & Jang, K. (2023). Effects of moderate Energy Restriction and Aerobic Exercise on Body Composition and Appetite in Normal-Weight Women with High Body Fat. In Sports, 11(4), 91.

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One Comment

  • Leila

    Liebe Elke,

    vielen Dank für deinen gut recherchierten und wichtigen Artikel! Ich habe mich selbst mit dem Thema beschäftigt, da ich ein Kind mit Diabetes kenne, das zeitweise Schwierigkeiten hatte, sein Insulin zu bekommen. Dadurch bin ich besonders aufmerksam geworden auf die Auswirkungen des aktuellen Hypes und fand es sehr wertvoll, wie du dieses Thema beleuchtest.

    Gleichzeitig kenne ich auch einen Mann, der die Spritze nutzt, weil sie ihm ermöglicht, sich nicht mit Ernährung, Bewegung oder den Prozessen im Körper auseinandersetzen zu müssen. Diese Haltung hat mich nachdenklich gemacht, denn sie zeigt, wie sehr solche Medikamente als bequeme Lösung gesehen werden – ohne die möglichen langfristigen Folgen zu bedenken.

    Zusätzlich habe ich Frauen in meinem Umfeld erlebt, die aus einem tiefen Leidensdruck heraus – so wie du es in deinem Artikel beschreibst – alles daransetzen, sich die Spritze leisten zu können. Sie kratzen das Geld zusammen, in der Hoffnung, endlich abzunehmen. Das zeigt, wie stark der gesellschaftliche Druck auf das Körperbild wirkt und wie verzweifelt viele Menschen nach einer Lösung suchen.

    Besonders gut fand ich, wie du diesen Aspekt und die Rolle der Pharmaindustrie thematisierst. Dein Artikel spricht mir in vielen Punkten aus der Seele – ich hoffe, dass mehr Menschen sich kritisch mit diesem Thema auseinandersetzen.

    Vielen Dank für deine wichtige Arbeit! Den Artikel werde ich teilen, damit es viele Menschen erreicht.

    Liebe Grüße
    Leila

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